Welche Sicherheits-App passt zu mir?
Zwölf Fragen, bevor du dich auf eine App verlässt.
Notruf-Apps, Heimweg-Apps, stille Alarme: Es gibt viele, und keine Stelle führt eine Liste. Beratungsstellen und Polizei müssen neutral bleiben und dürfen keine einzelne App empfehlen. Das heißt: Du musst selbst suchen und selbst beurteilen. Diese Fragen helfen dabei. Sie gelten für jede App, auch für unsere.
Bist du gerade in Gefahr? Ruf die 110. Rund um die Uhr, kostenlos und anonym beraten dich das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter 08000 116 016 und das Opfertelefon des WEISSEN RINGS unter 116 006. Eine App suchst du besser in einer ruhigen Stunde aus.
Die Checkliste
Zu jeder Frage steht, warum sie zählt, woran du eine gute Antwort erkennst und wann du vorsichtig sein solltest. Nicht jede App muss jede Frage gut beantworten. Wichtig ist, dass sie die Fragen gut beantwortet, die für deine Lage zählen.
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Gibt es die App morgen noch?
Viele Sicherheits-Apps wurden eingestellt, auch bekannte wie NO STALK und WayGuard. Wer sich auf eine App verlässt, die es bald nicht mehr gibt, steht im Ernstfall ohne da.
Gut: Die letzte Aktualisierung im App Store oder bei Google Play ist nicht älter als ein paar Monate. Es gibt eine Adresse, an die du schreiben kannst.
Vorsicht: Seit über einem Jahr kein Update. Unklar, wer die App bezahlt, siehe Frage 12.
Welche Apps es schon nicht mehr gibt: Eingestellte Sicherheits-Apps.
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Wer bekommt den Alarm?
Das ist die wichtigste Frage. Es gibt drei Arten: Die App meldet sich direkt bei Polizei oder Rettungsleitstelle. Oder bei einer privaten Leitstelle, meist gegen Gebühr. Oder bei Menschen, die du selbst einträgst. Polizei kommt am schnellsten, setzt aber eine echte Notlage voraus. Vertraute Menschen kannst du auch rufen, wenn du dir noch nicht sicher bist.
Gut: Du weißt genau, wer den Alarm bekommt, und hast mit diesen Menschen darüber gesprochen.
Vorsicht: Unklar, ob am anderen Ende rund um die Uhr jemand ist.
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Was passiert, wenn niemand reagiert?
Freunde schlafen, haben das Handy stumm oder sind im Funkloch. Ein Alarm, den niemand bemerkt, hilft nicht.
Gut: Die App ruft weitere Personen, wiederholt den Alarm oder zeigt dir, ob jemand angenommen hat.
Vorsicht: Die App schickt nur eine einzelne Nachricht oder SMS und meldet nicht, ob sie gelesen wurde.
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Wie löse ich aus, wenn ich nicht ans Handy komme?
In vielen gefährlichen Momenten kannst du das Handy nicht entsperren und eine App öffnen. Jemand steht vor dir, hält dich fest oder sieht dir zu.
Gut: Es gibt einen Weg ohne Bildschirm, etwa einen Knopf in der Tasche, eine Smartwatch oder einen Sprachbefehl. Er funktioniert auch bei gesperrtem Handy.
Vorsicht: Auslösen nur über einen Knopf in der geöffneten App.
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Verhält sich mein Handy beim Alarm auffällig?
Ein Handy macht ständig irgendetwas: Es brummt, leuchtet auf, zeigt Meldungen. Das fällt niemandem auf. Auffällig wird es, wenn es nach dem Auslösen lange klingelt, mit lauter Stimme etwas ansagt oder eine Sirene abspielt. Das kann abschrecken, eine Lage aber auch verschärfen.
Gut: Du weißt vorher genau, was dein Handy beim Alarm tut. Es benimmt sich wie bei einer gewöhnlichen Meldung, und was auf dem Bildschirm steht, verrät keinen Alarm.
Vorsicht: Das weißt du erst, wenn du es ausprobierst. Probiere es also aus, siehe Frage 11.
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Wie schnell erfahren die Helfer was?
Wer helfen soll, muss den Alarm sofort bemerken und verstehen, was los ist. Eine SMS mit einem Standort hilft kaum: Sie geht zwischen anderen Nachrichten unter, und wer sie liest, weiß nicht, was an diesem Ort gerade passiert. Soll er die Polizei rufen oder erst einmal zurückrufen?
Gut: Der Alarm kommt auch bei stummgeschaltetem Handy laut an. Die Helfer sehen deinen Standort laufend und hören vom ersten Moment an, was passiert. So können sie einschätzen, ob sie die Polizei rufen, und ihr sagen, was los ist.
Vorsicht: Nur eine SMS oder eine gewöhnliche Mitteilung mit einem einmaligen, oft ungenauen Standort.
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Funktioniert es ohne Netz?
In Kellern, Tiefgaragen und auf dem Land fehlt oft das mobile Internet. Fast jede App braucht es.
Gut: Die App sagt ehrlich, was ohne Netz geht und was nicht, und schickt nach, sobald wieder Netz da ist.
Vorsicht: Kein Wort dazu in der Beschreibung.
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Was, wenn die falsche Person mein Handy in die Hand bekommt?
Bei Gewalt in der Beziehung und bei Stalking kennt der Täter oft die PIN. Eine Sicherheits-App kann dann gegen dich verwendet werden: um dich zu orten, abzuhören oder deine Helfer zu ändern.
Gut: Deine Helfer erfahren, wenn jemand an den Einstellungen etwas ändert. Die App kann nicht heimlich zum Abhören benutzt werden.
Vorsicht: Jeder, der dein Handy hat, kann Kontakte, Verlauf und Standorte sehen oder ändern, ohne dass es jemand bemerkt. Und Vorsicht bei Apps, die vor allem auf Verstecken setzen: Wer dein Handy gründlich durchsucht, findet jede fremde App und kann sie selbst installieren, um herauszufinden, was sie tut. Schützen muss die App auch dann, wenn der Täter sie kennt.
Hast du den Verdacht, dass dein Handy überwacht wird, sprich mit einer Beratungsstelle, bevor du eine Sicherheits-App installierst.
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Wo liegen meine Daten, und wer kann sie lesen?
Eine Sicherheits-App weiß, wo du wohnst, wen du kennst und wo du gerade bist. Das ist heikel.
Gut: Die Datenschutzerklärung ist verständlich. Die Server stehen in der EU. Aufnahmen sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt, der Anbieter kann sie also nicht lesen. Daten werden nach einer festen Frist gelöscht.
Vorsicht: Kein Impressum. Die Daten liegen außerhalb der EU. Die App will Zugriff auf deutlich mehr, als sie braucht.
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Wird festgehalten, was passiert ist, und komme ich später daran?
Nach einem Übergriff steht oft Aussage gegen Aussage. Eine Aufnahme von Ton, Uhrzeit und Ort kann dann helfen, bei der Polizei, bei einer Schutzanordnung oder vor Gericht, manchmal Monate später. Ob und wie sie verwendet wird, entscheiden Anwältin und Gericht. Gesichert sein muss sie vorher.
Gut: Bei einem Alarm wird automatisch aufgenommen, ohne dass du etwas tun musst. Die Aufnahme liegt nicht nur auf deinem Handy, sie ist also auch dann sicher, wenn es weggenommen oder zerstört wird. Du kannst sie als Datei exportieren und selbst aufbewahren oder deiner Beratungsstelle oder Anwältin geben, auch wenn es die App einmal nicht mehr gibt.
Vorsicht: Aufnahmen liegen nur auf dem Handy. Kein Export, oder nur als Bildschirmfoto. Die Daten liegen allein beim Anbieter und sind weg, wenn er aufhört.
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Kann ich es gefahrlos ausprobieren?
Eine App, die du nie ausprobiert hast, wird im Ernstfall nicht funktionieren. Entweder ist etwas falsch eingestellt, oder du weißt nicht mehr, wie es geht. Einen echten Notruf zur Probe abzusetzen ist strafbar.
Gut: Es gibt einen Probealarm oder eine Demo. Übe mit den Menschen, die den Alarm bekommen, damit auch sie wissen, was zu tun ist.
Vorsicht: Ausprobieren geht nur mit einem echten Notruf.
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Wer bezahlt die App, und was geschieht mit meinen Daten?
Server, Entwicklung und Pflege kosten jeden Monat Geld. Ist eine App kostenlos, bezahlt jemand anderes: ein Verein, ein Förderprogramm, eine Versicherung, Investoren. Oder du bezahlst mit deinen Daten, etwa über Werbung. Bei einer App, die weiß, wo du wohnst und wen du kennst, ist das keine Kleinigkeit. Und endet die fremde Finanzierung, endet oft auch die App.
Gut: Du erkennst, wie die App sich trägt, zum Beispiel über ein Abo, einen genannten Förderer oder eine Behörde. Es gibt keine Werbung. Der Alarm selbst funktioniert auch in der kostenlosen Version.
Vorsicht: Kostenlos, ohne dass erkennbar ist, wer zahlt. Werbung in einer Sicherheits-App. Ein Testmonat, der sich still in ein teures Abo verwandelt.
Ganz ohne eigene App: den Standort teilen
Für den Heimweg reicht vielen schon, was auf dem Handy ohnehin ist. Die Polizei Köln etwa verweist darauf, seit es ihre Begleit-App WayGuard nicht mehr gibt, und auch in „Aktenzeichen XY … ungelöst“ wurde dazu geraten.
- Live-Standort im Messenger. In WhatsApp und Telegram teilst du deinen Standort für eine feste Zeit mit einer Person oder Gruppe, etwa für eine Stunde.
- Standortfreigabe in Google Maps auf Android und „Wo ist?“ auf dem iPhone. Am iPhone meldet „Check-in“ in der Nachrichten-App außerdem von selbst, wenn du nicht wie geplant ankommst.
- Das Heimwegtelefon. Ehrenamtliche begleiten dich am Telefon nach Hause und wissen, wo du gerade bist.
Das kostet nichts und ist schnell eingerichtet. Drei Dinge solltest du wissen:
- Es ist kein Alarm. Die andere Person sieht einen Punkt auf der Karte. Ob du in Gefahr bist, erfährt sie nur, wenn sie gerade hinschaut und selbst stutzig wird. Hören kann sie nichts.
- Google, Apple und Meta wissen, wo du bist. Diese Daten liegen bei großen Firmen außerhalb deiner Kontrolle.
- Prüfe, wer deinen Standort sieht. Eine Freigabe, die du vergessen hast oder die jemand anderes auf deinem Handy eingerichtet hat, macht dich ortbar. Schau in den Einstellungen nach, mit wem du teilst, besonders nach einer Trennung.
Und dann: Keine App macht dich sicher. Eine gute App holt dir schneller Hilfe, wenn du sie brauchst. Sprich mit den Menschen, die den Alarm bekommen. Übe einmal zusammen. Und such dir zusätzlich Unterstützung bei einer Beratungsstelle, die Lage verstehen Menschen dort besser als jede App.
Diese Checkliste weitergeben
Du darfst diese Checkliste ausdrucken, kopieren und weitergeben, auch ohne den Teil über AutoSOS weiter unten. Beim Ausdrucken lässt die Seite diesen Teil automatisch weg. Beratungsstellen und Redaktionen dürfen den Text frei verwenden, wenn sie die Quelle nennen (Lizenz CC BY 4.0, Quelle: www.auto-sos.eu/sicherheits-apps-pruefen).
Fehlt eine Frage, oder ist etwas unklar? Schreib mir: kontakt@auto-sos.eu.
Unsere eigenen Antworten
Wer eine Checkliste schreibt, muss sich selbst daran messen lassen. Hier steht, wie AutoSOS die Fragen beantwortet, auch dort, wo es nicht gut abschneidet.
Wo AutoSOS stark ist
- Auslösen ohne Bildschirm (Frage 4). Per Bluetooth-Knopf in der Tasche, an der Apple Watch oder per Sprachbefehl, auch bei gesperrtem Handy.
- Die Helfer wissen sofort Bescheid (Frage 6). Der Alarm kommt als kritische Mitteilung, also auch bei stummgeschaltetem Handy laut. Deine Vertrauenspersonen sehen deinen Standort laufend und hören den Ton vom Auslösen an, auch was vor dem Annehmen passiert ist. So entscheiden sie, ob sie die Polizei rufen, und können ihr sagen, was los ist.
- Daten (Frage 9). Der Ton ist Ende-zu-Ende-verschlüsselt, der Server steht in Deutschland, Mitschnitte werden nach sieben Tagen gelöscht.
- Beweise (Frage 10). Bei jedem echten Alarm wird der Ton aufgenommen und verschlüsselt außerhalb deines Handys gesichert, auch wenn es dir weggenommen wird. Sieben Tage lang kannst du den Mitschnitt als Datei mit Passwort exportieren.
- Unauffällig (Frage 5). Dein Handy klingelt nicht, sagt nichts an und spielt keine Sirene. Was beim Alarm auf dem Sperrbildschirm steht, legst du selbst fest: einen ganz gewöhnlichen Text, der nur für dich etwas bedeutet, etwa „Minka frisst“. Wer kurz draufschaut, hält das für die Meldung irgendeiner App. Diesen Text speichert nur dein Handy, nicht unser Server.
- Falsche Hände (Frage 8). Ändert jemand deine Vertrauenspersonen, erfahren es die anderen. Das ruhige Mithören im Modus „Wachsam“ vibriert alle 30 Sekunden und kann nicht heimlich laufen.
- Ausprobieren (Frage 11). Es gibt einen Probealarm, bei dem deine Vertrauenspersonen wissen, dass es nur eine Übung ist.
- Finanzierung (Frage 12). AutoSOS trägt sich über ein Abo: Premium kostet 3,99 € im Monat. Es gibt keine Werbung, und Daten werden nicht verkauft. Der Alarm mit zwei Vertrauenspersonen ist kostenlos.
Wo AutoSOS schwach ist
- Keine Polizei, keine Leitstelle (Frage 2). Der Alarm geht nur an Menschen, die du selbst einträgst. Hast du niemanden, der zuverlässig reagiert, hilft dir AutoSOS nicht.
- Deine Helfer brauchen die App (Frage 3). Sie müssen AutoSOS selbst installieren und den Alarm annehmen.
- Ohne Internet kein Alarm (Frage 7). Der Ton wird aufgenommen und nachgeschickt, sobald wieder Netz da ist. Der Alarm selbst braucht aber mobiles Internet. Eine SMS gibt es nicht.
- Die App ist sichtbar (Frage 8). Wer dein Handy durchsucht, findet AutoSOS, so wie jede andere App. Wir verstecken sie nicht, sondern bauen so, dass sie auch dann schützt, wenn der Täter sie kennt.
- Ein einzelner Entwickler (Frage 1). Das Abo trägt die Kosten, es gibt keinen Förderer, der abspringen kann. Ein großer Name steht aber nicht dahinter.